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Als Lehrer wieder zum Unterrichten kommen
Peseckendorf. Sie sind Lehrer, aber zum Unterrichten sind Jutta Peschke und Frank-Michael Schützke zuletzt
gar nicht mehr gekommen. Die Pädagogen von den Berufsbildenden Schulen "Conrad Tack" in Burg (Jerichower Land)
bewegten sich irgendwo zwischen Ernährungs- und Sexualberater. Vor allem im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ),
in dem überwiegend Jugendliche von Förderschulen zu einem Hauptschulabschluss geführt werden sollen, mussten
sich die Hauswirtschaftslehrerin und der Metalltechniklehrer mehr sozialen Problemen widmen als dass sie ihren
eigentlichen Fächern nachgehen konnten.
"Es ist unfassbar, was Jugendliche heute durchmachen", sagt Schützke. Drogensucht, Gewalt, sexueller Missbrauch
- die Liste der Abgründe ist lang. Auch Peschke hat festgestellt, dass im zwischenmenschlichen Bereich
"viel zugrunde gegangen" ist: "Früher hatten Menschen nicht diese Existenzängste wie heute."
Seit einem Jahr können sich die Burger Berufsschullehrer wieder etwas mehr auf ihre eigentlichen Aufgaben
konzentrieren. Über das Landesprogramm gegen Schulversagen sind die Sozialarbeiter Johanna Saguan und
Alexander Mittendorf an die Schule gekommen. Sie gehen mit in den Unterricht und nehmen sich der im
Sozialverhalten zutage tretenden Probleme an. "Das unterstützt unsere pädagogische Arbeit in großem Maße",
freut sich Schützke.
Gemeinsam haben Lehrer und Sozialpädagogen Projekte aufgezogen, um auf die "multikomplexen Problemlagen der
Jugendlichen ", wie sie es ausdrücken, einzugehen. Schützke und Mittendorf ließen die Schüler im
BVJ Metalltechnik ein "Wertstück" erstellen: eine als Geschenkartikel gedachte Dekorationsschale. Im
Vordergrund stand dabei weniger die Förderung der Ausbildungsreife als vielmehr die Stabilisierung der
Persönlichkeit - durch Einübung sozialer Kompetenzen wie Verlässlichkeit und Teamfähigkeit.
Das Projekt stellten die beiden Burger bei einer gestern zu Ende gegangenen Fortbildung des Paritätischen
Bildungswerks Sachsen-Anhalt in Peseckendorf (Landkreis Börde) vor. An der Veranstaltungsreihe nahmen
30 Lehrer und Sozialarbeiter jeweils paarweise als "Tandempartner" teil. Dabei sollten Wege aufgezeigt
werden, wie beide Seiten so zusammenarbeiten können, dass sie die Entwicklung von Schülern befördern.
Die vorgestellten Projekte zielten vor allem darauf ab, die Motivation der Schüler zu fördern - etwa, indem sie
gemeinsam werken, die Schule verschönern oder Feste organisieren. Im BVJ in Burg stehen die Pädagogen immer
wieder neu vor der Aufgabe, aus sozial vollkommen unterschiedlich entwickelten jungen Menschen eine Einheit zu
formen. Und das binnen eines halben Jahres. Dann nämlich müssen die Schüler das Fach wechseln, um ein weiteres
Berufsfeld wie Holz- oder Bautechnik kennenzulernen.
Sozialarbeiterin Saguan spricht sich dafür aus, das BVJ zu verlängern: "Wenn wir zwei Jahre Zeit hätten,
diese Menge an Pädagogik und Fachwissen zu vermitteln, würden wir viel mehr Schüler zum Hauptschulabschluss
bringen." Zuletzt erreichten von einem Dutzend Schülern teilweise nur zwei dieses Ziel.
Das Paritätische Bildungswerk plant eine zweite Auflage seiner Fortbildung. Zwischen Oktober und Mai sind
sieben Veranstaltungen geplant. Anmeldeschluss ist Ende August.
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